Sonne

 

 

 

 

Fest des heiligen Stephanus

Lesejahr A

 

 

 

Evangelium: Matthäus 10, 17-22

Nehmt euch aber vor den Menschen in acht! Denn sie werden euch vor die Gerichte bringen und in ihren Synagogen auspeitschen. Ihr werdet um meinetwillen vor Statthalter und Könige geführt, damit ihr vor ihnen und den Heiden Zeugnis ablegt. Wenn man euch vor Gericht stellt, macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde eingegeben, was ihr sagen sollt. Nicht ihr werdet dann reden, sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden. Brüder werden einander dem Tod ausliefern und Väter ihre Kinder, und die Kinder werden sich gegen ihre Eltern auflehnen und sie in den Tod schicken. Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden; wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet.


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Gedanken zum Evangelium

Weihnachten - Fest der Liebe. Oder sollte es nicht manchmal besser Fest der Hiebe heißen? Denn täglich können wir hören oder in den Zeitungen von persönlichen Katastrophen lesen, die sich in Familien und Gemeinden ereignet haben. Nicht nur, weil Menschen viel mehr und enger zusammen sind als sonst, sondern auch, weil dieses Zusammensein von vielen, nicht ausgesprochenen gegenseitigen Erwartungen geprägt ist - und natürlich den Enttäuschungen, die daraus resultieren. Klingen uns da nicht die Worte des Evangeliums im Ohr: "Brüder werden einander dem Tod ausliefern und Väter ihre Kinder, und die Kinder werden sich gegen ihre Eltern auflehnen und sie in den Tod schicken." Der Glaube an Jesus in unseren Breiten ist eher ein seltener Grund für tödliche Streitereien, doch in anderen Kulturen können wir immer wieder davon hören oder lesen, dass Menschen nur deshalb bedroht werden, weil sie Christen sind. Oft wird es in unseren Familie vermieden, über Glaubensthemen zu sprechen, denn zu groß ist die Angst, darüber doch in Streit zu geraten. Auseinandersetzungen und persönliche Verletzungen stehen leider auch bei uns nur zu oft auf der Tagesordnung. Das ist leider bittere Realität - auch oder gerade zu Weihnachten. Dieser rasche Wechsel vom Frieden der Hl. Nacht, vom Glanz des Weihnachtsfestes zur Steinigung und zum Tod des ersten Märtyrers Stephanus hat mehr mit unserer Realität zu tun, als es auf den ersten Blick aussieht. Theologen erklären uns, dass es einen engen Zusammenhang gibt zwischen der Krippe und dem Kreuz. Denn ohne Tod und Auferstehung Jesu wäre keiner auf die Idee gekommen, die Geburt Jesu zu feiern. Und ohne Menschen wie Stephanus, die in der Nachfolge Jesu dessen Vergebungsbereitschaft leben, ebenso wenig. Ja! Vergebungsbereitschaft - das ist eines der Kennzeichen von Christen. "Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!", waren die letzten Worte, die uns von Stephanus überliefert sind. Sie erinnern uns auch an die Worte Jesu am Kreuz: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." Für viele Menschen sind diese Weihnachtstage eine große Herausforderung an ihre Vergebungsbereitschaft. Da oder dort fallen oft harte Worte, weil man zu eng beisammen ist, anderswo sitzt jemand tief betrübt da, weil die Menschen, auf die er wartet, nichts von sich hören lassen. Anderswo können sich Menschen nicht mehr in die Augen sehen, weil Ihr Verhältnis in der Vergangenheit, durch eine Unbedachtheit getrübt wurde. Bereit sein zur Vergebung - theoretisch keine Frage, dass dies zum Christsein gehört. Bereit sein zur Vergebung - das wäre natürlich viel einfacher, wenn der andere sich doch nur endlich ändern würde. Bereit sein zur Vergebung - das wäre auch viel einfacher, wenn da nicht die Angst wäre, dass der andere mich ausnützen könnte. Und, was hat denn dem Stephanus diese seine Vergebungsbereitschaft gebracht? Natürlich , es gibt viele Gründe, sich gegen diese Botschaft zu wehren. Aber es gibt noch mehr und noch bessere Gründe, sich von dieser Botschaft herausfordern zu lassen: Das zeigt uns wieder der Blick auf das Weihnachtsgeschehen: Gott, der große Gott, war sich nicht zu schade, uns armseligen Menschen nahe zu sein in der Gestalt eines kleinen Kindes; ja, sich sogar uns Menschen auszuliefern in einem Neugeborenen darauf angewiesen sein, dass Menschen es gut mit ihm meinen, sich um ihn kümmern, für ihn da sind. Aber wenn wir für dieses Kind – für diesen großen Gott da sein wollen, dann muss es für uns heißen, vom eigenem hohen Ross herabzusteigen, sich zu bücken und zu beugen - wie man sich eben vor einem kleinen Kind beugen muss. Ein schönes Symbol dafür ist der Eingang zur Geburtskirche in Bethlehem. Man kann an der Wand die Spuren eines großen Tores erkennen, durch das man gut in die Kirche hineinreiten konnte. Heute ist nur noch ein kleiner Eingang offen, durch den man nur gebückt hineinkommt. Aber wenn man einmal gebückt durch den Eingang hindurch ist, kann man sich wieder aufrichten, man kann wieder aufrecht stehen und sich vom Glanz der Weihnachtsbotschaft ganz ergreifen lassen. Diese Erfahrung haben schon viele machen dürfen. Wie wohl kann ich mich fühlen wenn es mir gelingt zu verzeihen, dem anderen das nicht mehr nachzutragen, wo eben einmal Fehler geschehen sind, welche das Verhältnis belastet hatten. Wie gut ist es dann, wenn ich selber innerlich freier bin, ich kann wieder aufrecht gehen und den anderen wieder beruhigt in die Augen sehen. Stärker als die Hiebe, ob man sie nun austeilt oder einstecken muss, ist eben immer noch die Liebe. Das ist die Wahrheit des heutigen Tages.

 

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